Tod eines Scheusals

Da stand er nun. Die Kimme juckte an diesem schwülen Tag wieder besonders extrem. Ihm huschte dieses selbstgefällige Lächeln der Genugtuung über die Schweinsvisage, als er begann sich herzlich zu kratzen. Natürlich hatte ein rücksichtsloses Stück Mist wie er keine Probleme damit gehabt, auf der schleimig schmierigen Leiter des Erfolges empor zu rutschen und es bei der Truppe zum Colonel zu bringen. Sein homophober Wahn und sein durch und durch asoziales Verhalten hatte man ihm bei diesem Verein als Kompetenz hoch angerechnet.

Er ließ ab von seinem Allerwertesten, um sich einen genaueren Überblick über das Szenario zu verschaffen. Befriedigt ließ er seinen elefantösen Schädel von links nach rechts fahren. Er nahm einen kräftigen Bissen von seiner Leberwurststulle und kaute ihn genüsslich beim Anblick des lichterloh brennenden Dorfes, der lauthalsschreienden Mütter, der heulenden Kinder, die von seinen brüllenden Leuten wie Vieh vor sich her getrieben wurden, und der am Boden liegenden Väter, die, wenn sie nicht schon von dannen waren, voller Abscheu und Unglauben auf den widerlichen Wanst des Colonels starrten. Sein Glück wurde getrübt, als er völlig unvermittelt eine schrille Stimme von der Seite vernahm.
„Colonel ?!“

Der Colonel bewegte seine Masse ein wenig zur Seite, um den Teufel, der es doch tatsächlich wagte, seinen inneren Frieden zu stören, in Augenschein zu nehmen.
„Colonel...?!“
Und „batz“ klatschte die klumpige Faust des Colonels auf das zarte Näslein des armen Teufels, der es ein zweites mal wagte, ohne Einverständnis das Wort gegen den Allmächtigen zu erheben.
„Du verdammter Hurenbock!!!“
Fuhr es aus dem Schlund des Colonels hervor. Und er verpasste dem am Boden kauernden Teufel einen zusätzlichen Tritt in den Hintern.
„Du sollst dein schäbiges Maul nur verdammt noch mal dann öffnen, wenn ich es dir in deine gottverfluchten Ohren brülle.“
Einen weiteren Tritt konnte sich der Colonel unter keinen Umständen ersparen, wobei ihn sein massiger Körper beinahe selber zu Fall gebracht hätte. An seiner Körpermasse war ein lustiges Nachbeben zu beobachten, wobei durch den Bewegungsaufwand sein Hemd aus der Buchse rutsche und sich seine Plautze der wiedergewonnenen Freiheit erfreuen konnte. Damit Energieaufwand und Energieaufnahme sich die Waage hielten, stopfte er sich gleich die ganze Stulle in sein Riesenmaul. In bedrohlicher Pose baute er sich vor seinem Opfer auf.
„Un’ jepf fprich du miewef Ftück Dreck!“
Mit Blut, Tränen und Schweiß im Antlitz versuchte der arme Teufel sich in dieser demütigenden Situation zu fangen.
„Vielleicht...schluchz...so...so...soll...sollten...schluchz...“
„Verdammt noch mal! Jepf hör endlich...“
Der Colonel ließ mit einem gewaltigen Schluck das Zerkaute in seinen Magen plumpsen.
„ ...Auf zu flennen du verdammte Schwuchtel!“
Der Colonel konnte das Zucken in seiner Pranke nicht unterbinden. Ihm entfuhr ein weiterer Schlag, der das zarte Näßchen des Teufels zerbersten und dessen Körper leblos erschlaffen ließ.
„Er wollte nur sagen...“

Was zur Hölle war das? Hatte er letztendlich jeglichen Respekt vor der Truppe verloren, dass ein zweiter dahergelaufener Lümmel ihn so mir nichts dir nichts von der Seite anquatschte? Bis er seine Massen endlich in Bewegung gesetzt hatte und das Großhirn seiner Pranke den Befehl zum Ausholen gab, war der dreiste Lümmel schon längst des Colonels Reichweite entwichen, was dessen volle Masse ins Leere schlagen und die physikalischen Kräfte der Erde wirken ließ. Wie der sagenumwobene Käfer auf dem Rücken versucht der Wanst wieder auf die Beine zu kommen.
„Du verdammtes Schwein! Deinen verfluchten Arsch schleppe ich vors Kriegsgericht!“
Aus sicherer Distanz sprach sein Peiniger jene Worte, von denen der Colonel sich seinen Lebtag nicht mehr erholte.
„Der arme Kerl wollte sie nur fragen, ob es vielleicht nicht angebrachter sei, die Menschen mit Würde zu behandeln, anstatt sie wahllos über den Haufen zu schießen.“
Die mächtige Visage des Colonels wurde krebsrot, er begann mit den Beinchen wild zu strampeln und die Reste der Leberwurststulle auszuspucken.
„Ihr gottlosen Kommunistenfreunde! Dieses Pack ist infiziert! Den ist verdammt noch mal nicht mehr zu helfen. Wir tun ihnen einen Gefallen indem wir sie von ihrer Krankheit befreien! Und ihr... ihr... seid auch schon infiziert! Verrat! Warte Freundchen, dir werd‘ ich helfen...“
Mit aller Kraft versuchte der Colonel sein elefantöses Gesäß zu erheben, was ihm misslang. Im Angesicht dieser satanischen, vor Wut kochenden prähistorischen mehrtonner Echse, erkannte der Lümmel nur noch in der Flucht sein Heil.
Da es aber auch immer noch andere Kreaturen gibt, die ebenfalls die schmierig schleimige Leiter des Erfolges empor rutschen wollen, wurde dem Colonel letztendlich doch noch auf die Stummelbeinchen geholfen.
„Sorgt dafür dass jedes Leben im Umkreis dieses verdammten Dorfes in den nächsten zwei Minuten über den Jordan geht! Und sorgt dafür, dass dieses Stück Dreck da auf dem Boden wegen Befehlsverweigerung vors Kriegsgericht kommt. Das war ein Befehl!“

Es geschah.
Die Massen des Colonels traten zuerst aus dem Dunst des Schlachtfeldes hervor. Und wieder huschte ihm dieses Lächeln der Genugtuung über die Schweinsvisage, bis sich plötzlich etwas in seinen Allerwertesten bohrte. Verdammt noch mal, der Colonel war tatsächlich aus dem Hinterhalt Opfer eines Attentats geworden.  Und wieder ging sein elefantöser Körper zu Boden und klatschte rücklings in einen Kuh-Kadaver. Er sah den Kerl einige Meter von sich liegen und schoss  mit seinem Ballermann blindlings drauf los.
„Schlampige Arbeit! Legt die verdammte Sau um! Legt sie um! Was seid ihr alles nur für Vollidioten!? Eine verdammte Schande seid ihr! Ihr Söhne einer Hündin! Legt sie um!“
Es dauerte nicht lange, bis zwei verdutzte junge Kerle den wie wild fluchenden Colonel in seinem Kadaver entdeckten. Wobei sie ihn zunächst für lebensbedrohlich verletzt hielten, da sie zwischen dem Blut des Tieres und dem des Colonels nicht zu unterscheiden vermochten. Was sich allerdings erübrigte, als der Colonel ihnen wild gestikulierend, schnaufend, ächzend und brüllend den Teufel an den Hals wünschte, was sie doch für unfähige Hosenscheißer seien; dass ihre Mutter sich im Grabe beim Anblick ihrer Fehlgeburten wende und sie ohnehin die wohl größte Schande für die Heimat seien.

Der Rettungshubschrauber ließ nicht lange auf sich warten. Der Colonel fluchte und kläffte wie ein scharfer Pitbull. Sein Gebelle war noch zu vernehmen, als der Hubschrauber seine gewaltigen Massen gen Himmel hob und mit ihnen am Horizont verschwand.

Der Colonel, der Colonel - er lebte seit jenem Tag von einer satten Rente. Denn er war der Nabel der Welt. Und wenn er nicht vor der Glotze Junkfood in sich hineinstopfte, wobei seine Fettschürze mittlerweile abscheuliche Ausmaße angenommen hatte, schleppte er seinen Wanst zum Fenster, um jungen Damen nachzustellen oder um genauestens zu überprüfen, ob Müllmann und Postbote auch ihren Job ehrenhaft erfüllten. Diese Leuten sollten sich ohnehin nichts zu viel auf sich selbst einbilden, da ohne ihn ohnehin alles den Bach runter gegangen wäre. Auch jetzt lief nichts ohne den Colonel.

Er begann sich soeben für unsterblich zu halten, als es ihn letztendlich doch noch erwischte. Ihn traf der berühmt berüchtigte Blitz beim scheißen. Kein Scherz! Er hatte soeben den einen Schweißausbruch überwunden und sich auf den Bollock plumpsen lassen, als ihn der zweite Schweißausbruch übermannte, der unmittelbar mit der Funktion des Schließmuskels einherging - und „zack“ war es geschehen. Vom Colonel blieb nichts weiter zurück als ein paar Gramm Eisen und ein widerlich stinkender Haufen Fett. Es war ein wunderschöner Frühlingstag. Doch konnte wohl irgend etwas den Anblick dieses Scheusals nicht länger ertragen und erlöste die Welt von diesem Parasiten. Halleluja.

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