Osmose

Ich möchte sie nicht wieder hergeben, all diese Augenblicke die mein Zellmaterial aufgesaugt, gespeichert hat wie ein feuchter Schwamm das Wasser. Ich zehre von ihnen seit längerem schon, warte auf die Sonne und verfluche sie zugleich, sie möchte fernbleiben. Das Wasser zerrinnt, läuft über meine Finger - ich kann nicht alles bei mir halten. Mit jedem Druck, den Mund in den weichen Schwamm gedrückt, saugend, bleiben Tropfen auf der Stelle. Zellen, Splitter, Erinnerungen durch den Rinnstein gespült. Hitze schafft Raum, Leben verdunstet. Es gibt diese Tierchen, primitiv, Einzeller, die bleiben, sonderbarer Weise, auch wenn das Wasser längst gen Himmel stieg. Sie kommen wieder, ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie haben Städte gebaut, die ich nicht sehen kann. Ich vermute sie auch in meinem Schwamm, zumindest Trümmer davon. Doch so feste ich auch drücke - nichts. Nichts darüber gebaut. Reich auf Reich, Welten, angehäufte Trümmerwelten, jederzeit dazu bereit den Regen tanzend zu empfangen. Es gibt diesen alten Glauben, dort thront die Welt, so heißt es, auf dem Panzer einer riesigen Schildkröte, und diese Schildkröte steht wiederum auf einer Schildkröte, und diese Schildkröte steht wiederum auf einer Schildkröte und so fort. Weiß die obere, dass sie der unteren den Kopf zertrat? Dass ihr Panzer geflickt ist mit Zement?

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