Liegen bleiben

Irgendwo zwischen Kfz-Mechaniker und Intelligenz gibt es einen aussterbenden Typus. Vielleicht mit Nietzsches Übermenschen vergleichbar, irgendwo zwischen Tier und Gott: bereit zum Sprung. Zuviel Verkleidung, zuviel Ballast – das Wachen erträgt er nicht, ebenso wie die Leichenstarre. Ein sonderbares Hinüberwollen ist das, von dem einen in das andere, und doch nicht los kommen wollen, wobei er noch nicht einmal weiß, wovon überhaupt: vom Gedanken oder von der Hülle, die sich um ihn legt. Alles müht sich, ächzt, kreischt und stöhnt, von den tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen, vom Elementarteilchen bis zum Quasar. Und wofür das Ganze, könnte es doch eigentlich alles liegen bleiben und sich den Stress ersparen, sich die Ruhe antun. Nein, so läuft es nicht im Leben. Zumindest nicht in diesem. Wie Schlangenhäute liegen die Epochen im Sand, scheinen nicht mehr wert als dieser selbst, zerstreuen sich mit ihm in alle Winde. Niemand denkt daran, die Fahnen um ihret Willen auf Halbmast zu hängen. Statt dessen zieren grelle Lichter und zahnvolle Gesichter auf Plakaten die Straßen, unter denen das Moos nur wartet endlich wieder an die Oberfläche zu treten, um sich zurückzuholen was seit je her das seine war. Blindes Wachstum, blindes Wesen – das ganze mit hellem Verstand zu betrachten ist ein Graus und schreit danach, einfach liegen zu bleiben, sich niemals hinausgewagt zu haben in das Scheinwerferlicht. Es leuchtet die entlegensten Regionen aus, jene Tiefen und Höhen; lässt die, die die Dinge in seinem Kegel sehen, ergrauen. Und das hat er, der sterbende Typus, sich schon immer gewünscht, nichts sehnlicher als das: dass das Licht die ganze Welt in Farbe taucht und sich versöhnlich zeigt mit ihrem Grauen.

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