Entelechie
Leidabwender
Artikulationsschwächen,
Wilde hektische Gestikulation.
Gelber kalter Schweiß im Nacken,
Man bringt es nicht auf den Punkt,
Labert Brei drum herum,
Bla bla bla,
Intelligenzia…
Aber gleichzeitig high!
High man! Weißt was geht…
Weil kein Bock auf Stress,
Der ultimative Leidabwender…
It Must Feed
Run, baby, run!
Mein Fleisch is(s)t dein Gemüse
Aber so ist das mit dem Leben, wie mit dem Lotto-Spiel: Wer kein Schwein ist, der muss es haben.
Ein Opferfest - so ist es doch schon immer gewesen, oder nicht? Nur dass der Braten in der Röhre heute das Gemüse in der Schale des verreckten Negerkinds von gestern ist.
Weltraumschrott
aber in meiner. Die Furcht vorm Tod?
Sie kennt hier keiner!
Nichts hat Bestand,
das Nichts hat Bestand,
Beständigkeit im Vergehen
zur Masse verklumpt.
Bilden wir den Weltraumschrott.
In den Rinnstein
Massenaufstand
Damit man nicht den schmalen Gang blockiert und das Gewicht der aufgebrachten Massen aushalten muss, die alle Richtung Rampenlicht drängen, greift man gern zu laotseischen Weisheiten, die einem den Kampf ums Hiersein erträglich machen. Das Problem an der Sache bleibt wohl, dass man dadurch noch lange nicht die schmalen Gänge des Karrieristen verlässt.
Hat man sich einmal erst wie ein angegammeltes Stück Fleisch mit getürktem Etikett auf den Wochenmarkt geschmissen, gibt es wohl kein zurück mehr - 40 hours mindestens, 5 days a week. Die Rechnungen wollen bezahlt werden und der spitze Ellebogen der Gutverdiener-Phantasten lässt kein Rückzug offen, in den warmen Mutterschoß zurückzukehren. Dass sie alle viel lieber dorthin gehen würden, liegt auf der Hand; dennoch vermag kein Einzelner den Impuls zu setzen, dass die ganze Bewegung rückläufig wird.
Da kommen die Raubtierethiker des freien Marktes auf den Plan, schelten den rückwärtsgewandten Träumer und Idealist. Worüber sie freilich vergessen, dass auch ihr Zwergenaufstand auf dem historischen Parkett - der nur durch Vergrößerungsglas und Massenaufstapelung so gigantisch und unwiderruflich wirkt - nichts weiter als ein schlechter Albtraum ist, mit dessen Bann sie tagtäglich die gegängelten Vielen belegen, die inmitten der Trümmer ihrer zerbrochenen Wünsche dem matten Licht, Richtung Ausgang entgegendrängen.
"Freier Markt" nennt man es schließlich, weil er den Einzelnen vor die freie Entscheidung stelle, entweder mit den Gang hinauf - wohin eigentlich? - ins matte Licht zu trampeln, oder unter den Tritten der hinaufziehenden Massen zugrunde zu gehen. Etwas macht sie Vergessen, dass die Wenigstens das Licht Zeit ihres Lebens zu Gesicht bekommen, noch dass jene, die es gesehen haben oder dies zumindest behaupten, durch die Berührung mit dem Licht unsterblich geworden wären...
Des Pudels Kern
Der Schein ist der Mehrwert. Der Schichtschieber, der Arbeitslose, Alkoholiker und Menschenfresser haben ihn sich redlich verdient. Er ist das einzige, was noch zählt.
- Fader Nektar für den, der im Fadenkreuz gnadenloser Selektionsmechanismen steht; für den 'Fortschritt' nur ein weiteres Wort für 'Vorwärts auf dem Laufband!' ist. - Wie das alles nur so funktioniert? fantastisch.
Sequoiadendron giganteum
Es war höchste Zeit zum frühstücken. Die Kreatur schleppte sich zum Kühlschrank;
er funktionierte nicht. Ihre verdreckten Pfoten griffen in sein Inneres nach einem Bier.
Die Flasche auf und ans Maul gesetzt. Die Kreatur kratzte sich am Sack. Die Flasche abgesetzt und dann der sichere Gang zurück ins Wohnzimmer. Sie wollte gerade ihr verwichstes Kopfkissen richten, als sie der Schlag traf. Dann lag sie da, im Schein eines dumpfen Testbildes, und hatte endlich gefunden, wonach sie ihr ganzes Leben lang gesucht hatte. Nach einem Jahr, als die sterblichen Überreste geborgen wurden, beschwerten sich dann auch die Nachbarn, dass es ja auch die ganze Zeit schon so komisch gerochen habe.
Verdammt nah dran
Er kroch auf allen Vieren durch die Dünen. Rotz ströhmte ihm aus allen Poren.
„Ich verstehe sie! Ich kann sie sprechen hören!“ rief er aus.
Er richtete sich auf. Das Leben ächzte. Die Insekten im Sand bahnten sich ihren Weg auf der Suche nach etwas Brauchbarem. Der Himmel lag in farbigen Schlieren. Dazwischen ein Raster:
"Jetzt ergibt das alles einen Sinn..." sprach er zu sich.
Er ließ sich zu Boden gleiten, die Finger durch den Sand, richtung Insekten. Er wandte den Blick nach oben; Bildernebel, Klanggeschwirre. Er erhob sich. Torkelnd bewegte er sich auf eine Anhöhe zu.
Er begann zu rennen, den Berg empor.
Dort lag es, plötzlich vor seinen Augen. Er hatte den Hügel erreicht. Er fasste es.
„Das ist es…“
Schönheit und Wonne verkehrten sich in Furcht und Ekel.
„Angst vor der Wahrheit..?“ hörte er sich sprechen. Seine Stimme verfehlte sein Ohr.
„Ich bin sie…Sie?.. Ich bin alles…“
Der Wille begann sich in seiner Auflösung.
„…Das…“
Auf Wärme folgte Kälte [und wieder Wärme]. Ein lebloser Körper klatschte in feuchtes Gras. Und mit ihm ein Haufen Kuhscheiße, den er in seinen Händen gehalten hatte.
Fingerlecken
Wer nicht Hure auf den Straßen ist, verkauft sich in seinen eigenen vier Wänden.
Wer andere nicht bescheißen will, hat sich längst selbst zugeschissen.
Harte Worte sind so hart wie die Zeit.
Der Sinn gebiert sich in sich, die Wunden sind verheilt.
Wir lernten mit der Blutvergiftung leben;
es kümmert nicht, ob es aufrichtige Flammen sind,
die uns die Flügel verkohlten. Das Neonlicht ist unser Element.
Das Spiel mit dem Schein.
Das Schöne ist nicht ausgestorben,
nur die Masken haben sich verändert.
Schön sind die aufgespritzten Lippen der Prostitution,
zu schwer zum Gespräch.
Schön ist das Trümmermeer, wie die Farbe
der Tristesse den Rücken kehrt.
Schön sind wir, schöne Menschen.
Stellt auch sonst niemand mehr den Anspruch zu hoch,
so sind wir die Attraktion von alledem, was da kreucht und fleucht;
Gehirne inmitten einer Verknüpfung von unsichtbaren Drähten,
die wir selbst verlegten. Wir brauchen Nahrung, um selbst Nahrung zu sein.
Wir sind Nahrung für das, nach dem wir uns die Finger lecken.
Machtlos
Machtlos gegenüber dem All!
Die Maschine als Riss
im schmerzfreien Raum.
Ergebung! Ergebung!
Die adelige Prostitution!
Auch die Raubtiere sind nicht mehr
als Huren der Nation.
Systemgegner
„Kein Krieg für Öl!“ schrie er aus vollem Hals.
Er war mit der Bahn angereist und wohnte
in einer Etagenwohnung mit Zentralheizung.
Seine Musik kam direkt aus Amerika;
Systemgegner, gepresst auf Vinyl.
Etikettenschwindel
Einen Krieg oder ernstzunehmende Katastrophen haben diese Glücksritter noch nicht erlebt. Das Ganze funktioniert wie der erste Schachcomputer - ein Spiel für die friedlichen Zeiten -, in dem ein buckliger Zwerg sitzt und die Fäden der Püppchen zieht. Nur dass man nun - weils schick ist - den buckligen Zwerg herauszukehren pflegt und das Muster, nach denen das Spiel funktioniert, mit schrillen Farben überzieht.
Das Haupt des Buckligen behängen sie mit buntem Lametta aus dem Weihnnachtsschlussverkauf. Da könnte glatt übersehen werden, dass es eigentlich völlig einerlei ist, ob der Kern organisch und das drumherum synthetisch oder umgekehrt, der Kern synthetisch und das drumherum organisch ist. Schließlich sind die (Großstadt-)Kinder, die nach getanem Werk unwillentlich willentlich in den Bauch des Saturn sich stürzen, so alternativ wie die Pillen "natürlich", die sie zum allgemeinen Vorwärtskommen einwerfen. Gebürtig kommen sie sowieso alle aus dem Süden, um sich hier mal richtig auszutoben. Der Dreck in ihrem Knopfloch gehört zum Etikett. - Der Zwerg allerdings, der is n echta Berlina. Nur dass man ihn nackig lieber zurück in die Kiste stopft.
Mottenlichter
Dort ein Ehepaar, das an der Ampel steht. Der Mann zwei Meter vor, die Frau zwei Meter zurück. Nicht nur die sinnliche Ästhetik ist im Eimer, sondern auch die platonische. Und trotzdem tragen sie die gleichen Jacken, sehen einander an wie der Köter und sein Herrchen. Nur wären beide so gerne doch ein stattlicher Esel. Sich ergeben und die Ungeschlechtlichkeit im Nacken. Paranoia, Verwesungsphobie, ziellos, haltlos - all die Sinne, sie ergeben keinen solchen.
An der nächsten Hausecke kotzt sich ein Obdachloser die Seele aus dem Hals. Der gute alte Fusel, für den er den ganzen Vormittag seinen verarmten Arsch auf dem Bürgersteig präsentierte. In spiritus sancti - Spritgeruch gemischt mit Buttersäure steigt in die Luft. Er geht dahin, der Gute, und verreckt vermutlich irgendwo zwischen Hundekot und Fischköpfen an einem Blutgerinsel - auf der Suche nach etwas Brauchbarem, das seinen zerlumpten Leib noch ein wenig Länger vom Sterben abgehalten hätte. Gott ist selbst ein pfandflaschensammelndes Reptil und kümmert sich wenig um solche Zeitgenossen.
Die ganzen kranken Gesichter, die sich da durch die Kaufhäuser drücken, auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Zorn, gereizte Blöße, Huren der Nation! Um die Ecke steht der Narr, lacht sich ins Fäustchen über die Idiotie einer ganzen Zivilisation. Aber auch er ist in sie geboren, zu ihr auserkoren, erst mit ihr zur Möglichkeit erhoben. Und auch aus seinem Lächeln wird ein Hecheln, sobald er mit dem Scheiß sein Geld verdient.