Entelechie

Mein Geist, er war im Sterben schon begriffen,
als ich diese Welt erblickte.

Sich gleich schon die Sonne
in Dunkelheit verhüllte und ein voller Mond
mir Ruhe gönnte.

Auf dem Wasser glätteten sich sanft die Wogen
und die schwarze Tiefe versprach mir Trost.

Erstarrtes will zugrunde sinken
zu seiner Seele Schoß.

Leidabwender

Das Sprachzentrum total im Arsch,
Artikulationsschwächen,

Wilde hektische Gestikulation.

Gelber kalter Schweiß im Nacken,

Man bringt es nicht auf den Punkt,

Labert Brei drum herum,

Bla bla bla,

Intelligenzia…


Das scheiß Dope macht krank,

Aber gleichzeitig high!

High man! Weißt was geht…


Schönes Chamäleon,

Weil kein Bock auf Stress,

Der ultimative Leidabwender…

It Must Feed

Der Körper will genährt werden, zum täglichen Zerfall, gestriegelt und gebürstet wie ein oller Gaul, auf den man sein letztes Geld gesetzt hat.
Run, baby, run!

Mein Fleisch is(s)t dein Gemüse

Man wartet vergebens auf den Schnee, der die Landschaft und die schreienden Münder bedeckt - sie zum Schweigen bringt. In der Glotze stirbt ein Neger. Die bösen Geister, Gewissensbisse lernte man schon früh mit der Werbetrommel zu überlärmen. Her mit den Almosen, alles in den großen Pott und direkt nach Afrika damit. Dein Penny ist Brot für die Welt - oder geh ich heute doch lieber zum Lidl, die haben doch gerade die Weihnachtsbrause im Sonderangebot.


Aber so ist das mit dem Leben, wie mit dem Lotto-Spiel: Wer kein Schwein ist, der muss es haben.
Ein Opferfest - so ist es doch schon immer gewesen, oder nicht? Nur dass der Braten in der Röhre heute das Gemüse in der Schale des verreckten Negerkinds von gestern ist.

Weltraumschrott

Von Bestand ist nichts in dieser Welt,
aber in meiner. Die Furcht vorm Tod?
Sie kennt hier keiner!


Nichts hat Bestand,
das Nichts hat Bestand,
Beständigkeit im Vergehen
zur Masse verklumpt.


Bilden wir den Weltraumschrott.

In den Rinnstein

Die kleinen Tierchen hatten gerackert und geackert was das Zeug hielt; komplexe Tunnel- und Sozialsysteme, Paradestraßen und für ihren Nachwuchs geräumige Wohnungen angelegt. Ein kräftiger Regenguss verbunden mit einer schlammigen Sintflut hat ihren Mühen vorzeitig ein Ende bereitet - einfach so; hatte ihr Werk ohne zu fragen den Abhang hinunter Richtung Rinnstein gespült. Einer kommt durch. Schließlich ist es immer so, putzt sich den Dreck aus dem Gefieder und beginnt das Werk von vorn. Bis zum nächsten Regenguss.

Massenaufstand

Die Kunst besteht wohl darin, sich von dem ganzen Gedrücke und Gedränge auf den schmalen Gängen des Erfolges nicht anstecken zu lassen. Die Wände sind gut geölt, damit auch der ungehobelte, kantige Ungeschliffe seinen Weg findet, über den er sich zuvor nicht sonderlich Gedanken machte.

Damit man nicht den schmalen Gang blockiert und das Gewicht der aufgebrachten Massen aushalten muss, die alle Richtung Rampenlicht drängen, greift man gern zu laotseischen Weisheiten, die einem den Kampf ums Hiersein erträglich machen. Das Problem an der Sache bleibt wohl, dass man dadurch noch lange nicht die schmalen Gänge des Karrieristen verlässt.

Hat man sich einmal erst wie ein angegammeltes Stück Fleisch mit getürktem Etikett auf den Wochenmarkt geschmissen, gibt es wohl kein zurück mehr - 40 hours mindestens, 5 days a week. Die Rechnungen wollen bezahlt werden und der spitze Ellebogen der Gutverdiener-Phantasten lässt kein Rückzug offen, in den warmen Mutterschoß zurückzukehren. Dass sie alle viel lieber dorthin gehen würden, liegt auf der Hand; dennoch vermag kein Einzelner den Impuls zu setzen, dass die ganze Bewegung rückläufig wird.

Da kommen die Raubtierethiker des freien Marktes auf den Plan, schelten den rückwärtsgewandten Träumer und Idealist. Worüber sie freilich vergessen, dass auch ihr Zwergenaufstand auf dem historischen Parkett - der nur durch Vergrößerungsglas und Massenaufstapelung so gigantisch und unwiderruflich wirkt - nichts weiter als ein schlechter Albtraum ist, mit dessen Bann sie tagtäglich die gegängelten Vielen belegen, die inmitten der Trümmer ihrer zerbrochenen Wünsche dem matten Licht, Richtung Ausgang entgegendrängen.

"Freier Markt" nennt man es schließlich, weil er den Einzelnen vor die freie Entscheidung stelle, entweder mit den Gang hinauf - wohin eigentlich? - ins matte Licht zu trampeln, oder unter den Tritten der hinaufziehenden Massen zugrunde zu gehen. Etwas macht sie Vergessen, dass die Wenigstens das Licht Zeit ihres Lebens zu Gesicht bekommen, noch dass jene, die es gesehen haben oder dies zumindest behaupten, durch die Berührung mit dem Licht unsterblich geworden wären...

Des Pudels Kern

Die Wahrheit ist ein buckliger Affe. Der Kern ist echt und hässlich, drum klatscht man Schalen drum herum. Lametta auch für den Affen bitte, wie für den Zwerg im Schachcomputer - der reinste Ausdruck Ernst Jüngers 'Organischer Konstruktion' -, der die Einäugigen unter den Blinden staunen macht. Wie das alles nur so funktioniert? fantastisch.
Der Schein ist der Mehrwert. Der Schichtschieber, der Arbeitslose, Alkoholiker und Menschenfresser haben ihn sich redlich verdient. Er ist das einzige, was noch zählt.
- Fader Nektar für den, der im Fadenkreuz gnadenloser Selektionsmechanismen steht; für den 'Fortschritt' nur ein weiteres Wort für 'Vorwärts auf dem Laufband!' ist. - Wie das alles nur so funktioniert? fantastisch.

Sequoiadendron giganteum

Zwischen leeren Bierflaschen und Kippendreck lag im dumpfen Schein eines Testbildes ein ranziger Körper. Seine Haut sah aus wie Baumrinde; rötlich, braun und aufgeplatzt, so wie die Adern in seinen toten Augen. Ein Röcheln steigerte sich zum Hustenkrampf. Gelber Schleim schoss in die faule Mundhöhle: Schluckgeräusch. Der obligatorische Griff nach der Zigarettenschachtel; die Kippe ins Maul und angesteckt. Der Blick fiel auf die Tapeten.
Es war höchste Zeit zum frühstücken. Die Kreatur schleppte sich zum Kühlschrank;
er funktionierte nicht. Ihre verdreckten Pfoten griffen in sein Inneres nach einem Bier.
Die Flasche auf und ans Maul gesetzt. Die Kreatur kratzte sich am Sack. Die Flasche abgesetzt und dann der sichere Gang zurück ins Wohnzimmer. Sie wollte gerade ihr verwichstes Kopfkissen richten, als sie der Schlag traf. Dann lag sie da, im Schein eines dumpfen Testbildes, und hatte endlich gefunden, wonach sie ihr ganzes Leben lang gesucht hatte. Nach einem Jahr, als die sterblichen Überreste geborgen wurden, beschwerten sich dann auch die Nachbarn, dass es ja auch die ganze Zeit schon so komisch gerochen habe.

Verdammt nah dran

Er kroch auf allen Vieren durch die Dünen. Rotz ströhmte ihm aus allen Poren.

„Ich verstehe sie! Ich kann sie sprechen hören!“ rief er aus.

Er richtete sich auf. Das Leben ächzte. Die Insekten im Sand bahnten sich ihren Weg auf der Suche nach etwas Brauchbarem. Der Himmel lag in farbigen Schlieren. Dazwischen ein Raster:

"Jetzt ergibt das alles einen Sinn..." sprach er zu sich.

Er ließ sich zu Boden gleiten, die Finger durch den Sand, richtung Insekten. Er wandte den Blick nach oben; Bildernebel, Klanggeschwirre. Er erhob sich. Torkelnd bewegte er sich auf eine Anhöhe zu.

Er begann zu rennen, den Berg empor.

Dort lag es, plötzlich vor seinen Augen. Er hatte den Hügel erreicht. Er fasste es.

„Das ist es…“

Schönheit und Wonne verkehrten sich in Furcht und Ekel.

„Angst vor der Wahrheit..?“ hörte er sich sprechen. Seine Stimme verfehlte sein Ohr.

„Ich bin sie…Sie?.. Ich bin alles…“

Der Wille begann sich in seiner Auflösung.

„…Das…“

Auf Wärme folgte Kälte [und wieder Wärme]. Ein lebloser Körper klatschte in feuchtes Gras. Und mit ihm ein Haufen Kuhscheiße, den er in seinen Händen gehalten hatte.

Fingerlecken

Wer nicht Hure auf den Straßen ist, verkauft sich in seinen eigenen vier Wänden.

Wer andere nicht bescheißen will, hat sich längst selbst zugeschissen.

Harte Worte sind so hart wie die Zeit.

Der Sinn gebiert sich in sich, die Wunden sind verheilt.

Wir lernten mit der Blutvergiftung leben;

es kümmert nicht, ob es aufrichtige Flammen sind,

die uns die Flügel verkohlten. Das Neonlicht ist unser Element.

Das Spiel mit dem Schein.

Das Schöne ist nicht ausgestorben,

nur die Masken haben sich verändert.

Schön sind die aufgespritzten Lippen der Prostitution,

zu schwer zum Gespräch.

Schön ist das Trümmermeer, wie die Farbe

der Tristesse den Rücken kehrt.

Schön sind wir, schöne Menschen.

Stellt auch sonst niemand mehr den Anspruch zu hoch,

so sind wir die Attraktion von alledem, was da kreucht und fleucht;

Gehirne inmitten einer Verknüpfung von unsichtbaren Drähten,

die wir selbst verlegten. Wir brauchen Nahrung, um selbst Nahrung zu sein.

Wir sind Nahrung für das, nach dem wir uns die Finger lecken.

Machtlos

Machtlos gegenüber dem All!

Die Maschine als Riss

im schmerzfreien Raum.

Ergebung! Ergebung!

Die adelige Prostitution!

Auch die Raubtiere sind nicht mehr

als Huren der Nation.

Systemgegner

„Kein Krieg für Öl!“ schrie er aus vollem Hals.

Er war mit der Bahn angereist und wohnte

in einer Etagenwohnung mit Zentralheizung.

Seine Musik kam direkt aus Amerika;

Systemgegner, gepresst auf Vinyl.

Etikettenschwindel

Partyritter, "Oberlippenbärte und andere Unsympathen" mit Kapitänsmützen und Kochkostümen von der Stange eines Karnevalgroßkaufhauses - dazu Schaustellergesabell aus vollen Boxen, das sich den Anstrich eines politischen Antriebs gibt. Sich aber dennoch darüber völlig im Klaren zu sein scheint, dass das einzige Argument des auflaufenden Fleischhaufens - eben Carne Val - "the never ending party" ist. Bloodfeest! Mehrwert gehört verfeuert, der Überschuss dem Meer und den Flammen preisgegeben - das Blut zum kochen gebracht. (Was sie nicht wissen: Niemand stirbt so elendig wie der Krebs, den man vom kühlen Wasser auf brennende Herdplatten setzt.) Ein Pillchen eingeworfen und ab dafür - dumm und glücklich.


Einen Krieg oder ernstzunehmende Katastrophen haben diese Glücksritter noch nicht erlebt. Das Ganze funktioniert wie der erste Schachcomputer - ein Spiel für die friedlichen Zeiten -, in dem ein buckliger Zwerg sitzt und die Fäden der Püppchen zieht. Nur dass man nun - weils schick ist - den buckligen Zwerg herauszukehren pflegt und das Muster, nach denen das Spiel funktioniert, mit schrillen Farben überzieht.


Das Haupt des Buckligen behängen sie mit buntem Lametta aus dem Weihnnachtsschlussverkauf. Da könnte glatt übersehen werden, dass es eigentlich völlig einerlei ist, ob der Kern organisch und das drumherum synthetisch oder umgekehrt, der Kern synthetisch und das drumherum organisch ist. Schließlich sind die (Großstadt-)Kinder, die nach getanem Werk unwillentlich willentlich in den Bauch des Saturn sich stürzen, so alternativ wie die Pillen "natürlich", die sie zum allgemeinen Vorwärtskommen einwerfen. Gebürtig kommen sie sowieso alle aus dem Süden, um sich hier mal richtig auszutoben. Der Dreck in ihrem Knopfloch gehört zum Etikett. - Der Zwerg allerdings, der is n echta Berlina. Nur dass man ihn nackig lieber zurück in die Kiste stopft.

Mottenlichter

Dort eine Frau, die mit ihrem besoffenen Mann schimpft und gewissenhaft ihren Kinderwagen vor sich her schiebt, wobei sie genüsslich eine Zigarette raucht. Unschuldig gaffen die Kleinen aus ihrem Wäglein und können nicht so recht begreifen, was ihre Eltern denn nur treiben. Oder ist es bereits das abgestumpfte Empfinden, das sie den täglichen Zoff ihrer Erzieher als ein natürliches Ereignis begreifen lässt? Das schafft Hornhaut auf den Augen; der Filter platzt ohnehin schon aus allen Nähten. Ein Vorgang, der sich nun schon seit Generationen in dieser Sippe fortzusetzen scheint. Doch war die Mutter sicher eine Gute als sie ihre Tochter gebar und sie sich kürzlich selbst erblickte. Doch der Sinn hatte sie verlassen und wenn die Kleine nach der Milch schreit, dann kriegt sie einen auf die Pfoten.

Dort ein Ehepaar, das an der Ampel steht. Der Mann zwei Meter vor, die Frau zwei Meter zurück. Nicht nur die sinnliche Ästhetik ist im Eimer, sondern auch die platonische. Und trotzdem tragen sie die gleichen Jacken, sehen einander an wie der Köter und sein Herrchen. Nur wären beide so gerne doch ein stattlicher Esel. Sich ergeben und die Ungeschlechtlichkeit im Nacken. Paranoia, Verwesungsphobie, ziellos, haltlos - all die Sinne, sie ergeben keinen solchen.

An der nächsten Hausecke kotzt sich ein Obdachloser die Seele aus dem Hals. Der gute alte Fusel, für den er den ganzen Vormittag seinen verarmten Arsch auf dem Bürgersteig präsentierte. In spiritus sancti - Spritgeruch gemischt mit Buttersäure steigt in die Luft. Er geht dahin, der Gute, und verreckt vermutlich irgendwo zwischen Hundekot und Fischköpfen an einem Blutgerinsel - auf der Suche nach etwas Brauchbarem, das seinen zerlumpten Leib noch ein wenig Länger vom Sterben abgehalten hätte. Gott ist selbst ein pfandflaschensammelndes Reptil und kümmert sich wenig um solche Zeitgenossen.

Die ganzen kranken Gesichter, die sich da durch die Kaufhäuser drücken, auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Zorn, gereizte Blöße, Huren der Nation! Um die Ecke steht der Narr, lacht sich ins Fäustchen über die Idiotie einer ganzen Zivilisation. Aber auch er ist in sie geboren, zu ihr auserkoren, erst mit ihr zur Möglichkeit erhoben. Und auch aus seinem Lächeln wird ein Hecheln, sobald er mit dem Scheiß sein Geld verdient.

Osmose

Ich möchte sie nicht wieder hergeben, all diese Augenblicke die mein Zellmaterial aufgesaugt, gespeichert hat wie ein feuchter Schwamm das Wasser. Ich zehre von ihnen seit längerem schon, warte auf die Sonne und verfluche sie zugleich, sie möchte fernbleiben. Das Wasser zerrinnt, läuft über meine Finger - ich kann nicht alles bei mir halten. Mit jedem Druck, den Mund in den weichen Schwamm gedrückt, saugend, bleiben Tropfen auf der Stelle. Zellen, Splitter, Erinnerungen durch den Rinnstein gespült. Hitze schafft Raum, Leben verdunstet. Es gibt diese Tierchen, primitiv, Einzeller, die bleiben, sonderbarer Weise, auch wenn das Wasser längst gen Himmel stieg. Sie kommen wieder, ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie haben Städte gebaut, die ich nicht sehen kann. Ich vermute sie auch in meinem Schwamm, zumindest Trümmer davon. Doch so feste ich auch drücke - nichts. Nichts darüber gebaut. Reich auf Reich, Welten, angehäufte Trümmerwelten, jederzeit dazu bereit den Regen tanzend zu empfangen. Es gibt diesen alten Glauben, dort thront die Welt, so heißt es, auf dem Panzer einer riesigen Schildkröte, und diese Schildkröte steht wiederum auf einer Schildkröte, und diese Schildkröte steht wiederum auf einer Schildkröte und so fort. Weiß die obere, dass sie der unteren den Kopf zertrat? Dass ihr Panzer geflickt ist mit Zement?

Liegen bleiben

Irgendwo zwischen Kfz-Mechaniker und Intelligenz gibt es einen aussterbenden Typus. Vielleicht mit Nietzsches Übermenschen vergleichbar, irgendwo zwischen Tier und Gott: bereit zum Sprung. Zuviel Verkleidung, zuviel Ballast – das Wachen erträgt er nicht, ebenso wie die Leichenstarre. Ein sonderbares Hinüberwollen ist das, von dem einen in das andere, und doch nicht los kommen wollen, wobei er noch nicht einmal weiß, wovon überhaupt: vom Gedanken oder von der Hülle, die sich um ihn legt. Alles müht sich, ächzt, kreischt und stöhnt, von den tiefsten Tiefen bis zu den höchsten Höhen, vom Elementarteilchen bis zum Quasar. Und wofür das Ganze, könnte es doch eigentlich alles liegen bleiben und sich den Stress ersparen, sich die Ruhe antun. Nein, so läuft es nicht im Leben. Zumindest nicht in diesem. Wie Schlangenhäute liegen die Epochen im Sand, scheinen nicht mehr wert als dieser selbst, zerstreuen sich mit ihm in alle Winde. Niemand denkt daran, die Fahnen um ihret Willen auf Halbmast zu hängen. Statt dessen zieren grelle Lichter und zahnvolle Gesichter auf Plakaten die Straßen, unter denen das Moos nur wartet endlich wieder an die Oberfläche zu treten, um sich zurückzuholen was seit je her das seine war. Blindes Wachstum, blindes Wesen – das ganze mit hellem Verstand zu betrachten ist ein Graus und schreit danach, einfach liegen zu bleiben, sich niemals hinausgewagt zu haben in das Scheinwerferlicht. Es leuchtet die entlegensten Regionen aus, jene Tiefen und Höhen; lässt die, die die Dinge in seinem Kegel sehen, ergrauen. Und das hat er, der sterbende Typus, sich schon immer gewünscht, nichts sehnlicher als das: dass das Licht die ganze Welt in Farbe taucht und sich versöhnlich zeigt mit ihrem Grauen.

Neulich im Zoo

Die Tiere scheinen gelangweilt, jeden Tag dieselben Gesichter zu sehen. Immer dasselbe Herumgeaffe, immer dieselben formlosen Körper und geschmacklosen Kleider. Da scheint es sich für die Tierchen nicht mehr zu rentieren, kamen sie doch aus freien Stücken hierher. Aber die Fernbedienung ist schon seit längerem kaputt. Vielleicht wissen sie auch gar nicht mehr, wie sie eigentlich funktioniert. Selbst diese Freiheit haben sie sich nehmen lassen! Aber warum auch umschalten wollen, wenn doch hinter jedem Fenster ohnehin nur der selbe Mist sich versteckt. Der Gedanke, dass es vielleicht auch ohne ginge, ist ihnen seit langem nicht mehr gekommen. Wie denn auch? Ist es doch der einzige Ausblick nach draußen, den sie noch haben. Sie haben sich damit abgefunden, dass hinter der Mattscheibe vor der Mattscheibe ist: Und weil sie alle sich nichts sehnlicher wünschen, als einmal im Leben dahinter zu sein, bleiben sie gleich davor sitzen.